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- Gibt es Schätzungen, wie viele Suchtkranke
in Deutschland leben?
Sinofzik: Die Deutsche Hauptstelle gegen die
Suchtgefahren (DHS) geht von allein 2,5 bis 3,5 Millionen
alkoholabhängigen Menschen aus, hinzu kommen dann
noch die mit Medikamenten, Glücksspiel, illegalen
Drogen und nicht zuletzt die zahllosen "Nikotiniker".
Bezogen auf die Arbeitswelt schätzt man, daß ca.
5 - 7% aller Beschäftigten alkoholkrank und 10
- 15% stark gefährdet sind.
- Was sind nach Ihrer Meinung besondere Auffälligkeiten
für eine Erkrankung eines Mitarbeiters? Wie
soll sich eine Führungskraft verhalten, wenn
sie diese Gefahr bemerkt?
Sinofzik: Sich von einer "normalen" und ungestörten
Arbeitsbeziehung häufende bzw. stabilisierende
Abweichungen. Z. B. Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit,
Krankmeldungen innerhalb der Karenztage, vor und nach
Wochenenden sowie an Brückentagen, Leistungs-
und Stimmungsschwankungen, qualitative und quantitative
Minderleistung, ungeplante Kurzurlaube, häufige
Alkoholfahne, unerklärlich häufige Abwesenheit
vom Arbeitsplatz, Vernachlässigung des äußeren
Erscheinungsbildes uvm. Dabei läßt nur die "Fahne" auf
Suchtmittelmißbrauch schließen. Dies sind
Anlässe für ein diagnosefreies Personalgespräch
mit klaren Vereinbarungen. Denn: Was Vorgesetzte tolerieren
wird Norm!
- Wie helfen Sie konkret als Suchtberater?
Sinofzik: Meine Beratungsfelder sind Betriebe
und Behörden, also Unternehmensberatung. Ihnen
mit ihren peronalverantwortlichen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern helfe ich zu konsequentem und konstruktivem
Führungsverhalten gegenüber - im oben genannten
Sinne - arbeitsvertraglich auffälligen Belegschaftsmitgliedern.
Coaching, Seminare für Vorgesetzte, Belegschaftssensibilisierung
sowie Organisationsberatung sind die Methoden. Ziel
ist: Hilfe statt Kündigung! Nach meiner Praxiserfahrung
in ca. 70 Unternehmen geht die Strategie in 4 von 5
Problemfällen positiv aus.
- Sind nach Ihrer Einschätzung Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter in Non-Profit-Einrichtungen ebenso
gefährdet suchtkrank zu werden, wie in den
Bereichen Wirtschaft, Industrie und Verwaltung?
Sinofzik: Ja, mit Sicherheit. Nicht ohne Grund
gehören zu meinen Kunden gerade auch Krankenhäuser,
wohlfahrtliche Sozialeinrichtungen und kirchliche Träger. Suchterkrankungen sind
schicht-, berufs- und auch
überzeugungsübergreifend. Gerade die "beruflich
sozial kompetenten" Menschen der helfenden Berufe wähnen
sich zu oft zu sicher. Entsprechende Beobachtungen
und Erfahrungen konnte ich bei einer Polizeibehörde
und bei einem großen Wohlfahrtsverband sammeln.
Konsequente betriebliche Präventionsprogramme
führ(t)en zu positiven Veränderungen für
alle Beteiligten, insbesondere zum Erhalt des "persönlichen
Wirtschaftsstandortes" der Betroffenen.
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